(Gegenwind 208, Januar 2006)
Sona Shirvanyan begann am 1. Juli 2005 ihr Praktikum beim Gegenwind. Sie hatte damals schon keine Aufenthaltserlaubnis mehr. Am 5. August wurde sie verhaftet, am 9./10. August wurde sie über Moskau nach Eriwan (Armenien) abgeschoben. Im Gegenwind 204 (September 2005) beschrieb sie ihre Abschiebung. Jetzt haben wir sie gebeten, nach drei Monaten Leben in Armenien ihren Alltag zu schildern.
In Armenien gibt es eine Post seit 1849, und seit 1870 gibt es eine Organisation, die mittels ihrer Filialen alle Formen des Postverkehrs (Briefe, Karten, Pakete, Telegramme, Zeitungen und Magazin) für die Öffentlichkeit, Unternehmen und Organisationen anbietet. Die Post hat verschiedene Preise. Das heißt wenn man mehr bezahlt, kommt ein Brief in spätestens 5 Tagen an. Fast genauso wie in Deutschland. Aber sonst ist es billig, und ein Brief ist ungefähr 10 bis 17 Tage unterwegs.
Als ich erste Mal ein Buch über Journalismus von Reinhard gekriegt habe, dauerte es genau 10 Tage. Das war am 26. August, morgen kurz nach 11. Ein großer Mann ist reingekommen und sagte: "Wer ist Tina von euch?
" Meine Schwester: "Ja, das bin ich.
" Ich dachte, das geht mich nichts an. Aber er sagte "Sie haben ein Paket aus Deutschland.
" Als ich Deutschland gehört habe, habe ich laut geschrieen: "Das ist für mich, das ist von Reinhard.
" Der Postbote guckte mich sehr merkwürdig an und sagte uns, dass wir 700 Dram bezahlen müssen. Tina hat es sofort bezahlt. Zwischendurch fragte ich ihn: "Warum müssen wir das eigentlich bezahlen?
" Er antwortete, dass er der Post eine Antwort geben muss, dass ich den Brief bekommen habe. Ja okay, sagte ich, aber für mich war das unglaubhaft, weil ich so was aus Deutschland nicht kannte. Nach ein paar Tagen habe ich wieder einen kleinen Brief bekommen, wofür ich 400 Dram bezahlen musste. Und so habe wir noch für mehrere Briefe bezahlt.
Ich hatte schon genug davon. Ich wusste nicht was ich machen sollte, weil Tina immer für mich bezahlt hatte. Ich überlegte mir, dass ich zur Post gehe und dort frage. Und so habe ich das auch gemacht, als ich Reinhard einen Brief schicken musste. Ich ging mit Tina hin. Da waren zwei Postbeamtinnen. Ich erklärte alles und fragte, ob ich unbedingt was bezahlen musste, wenn ich ein Brief bekomme. Nein, sagte eine von denen, das ist schon in Deutschland bezahlt, du musst nicht, und Trinkgeld ist freiwillig.
Auf den nächsten Brief wartete ich sehr ungeduldig, weil Reinhard sagte, dass es eine schöne Überraschung ist. Und ich war auch sehr böse, weil der Postbote mich belogen hatte. Am 14. September, es war ein schöner Tag, kam er wieder zu uns, sehr fröhlich und sehr freundlich. Warum nicht, dachte ich mir, jetzt denkst du, dass du heute mehr Geld bekommst, denn diesmal hatte er zwei Briefe zusammen. Er kannte schon meinen Namen. Und rief laut: "Sona, bist du zu Hause?
" - "Ja, ja
", sagte ich. "Ich komme gleich.
" Als ich meine zwei Briefe gekriegt hatte, wollte er mir was sagen. Sofort habe ich ihn unterbrochen: "Ich weiß ganz genau, dass ich gar nichts bezahlen muss. Das ist freiwillig, und jetzt bezahle ich nicht, weil ich schon für 10 oder mehr Briefe bezahlt habe.
" Sein Gesicht wurde ganz blass, und er war sprachlos. Klar, er hat kein Wort mehr gefunden. Nach paar Sekunden sagte er mit sehr leiser Stimme: "Ja, das stimmt nur für die Briefe, aber für die Pakete muss du bezahlen.
" - "Okay, das kläre ich noch.
" Ich war ein bisschen traurig, weil ich wieder bezahlt habe. Aber es hat sich geändert, als ich meinen Brief aufgemacht hatte. "Mein Lieblingsbuch, mein Lieblingsautor, Hans Christian Andersen,
" schrie ich. "So eine Überraschung! Nein, das ist unglaublich.
" Ich wiederholte immer den gleiche Satz: "Danke Reinhard, danke dir
". Aber das war nicht das Ende der Überraschung. Ich machte die erste Seite auf und sah, was drinnen geschrieben war: "Liebe Sona! Alles Gute und viel Glück wünschen Dir Idun, Mona, Anne, Farzaneh
". Da war ich schon selber sprachlos. Die vier Frauen waren meine lieben Lehrerinnen, Beraterinnen und Freundinnen bei der ZBBS in Kiel, wo ich seit ungefähr Herbst 2004 gelernt habe, die mir immer jederzeit geholfen haben, wenn ich was brauchte.
Am selben Tag bin ich wieder zur Post gegangen. Ich habe wieder alles erzählt. Die beide Beamtinnen waren sehr böse auf den Briefträger. Ich habe gefragt, ob wir was anderes machen können, weil ich noch mehrere Briefe auch aus Dänemark bekommen würde. Ich habe meine Anschrift und Telefonnummer dort gelassen, und habe gesagt, rufen Sie mich bitte an, wenn ich was bekomme, ich hole es selbst. Alles klar, sagte sie.
Alle meine Freunde schicken mir schöne Briefe, Fotos, Süßigkeiten, Parfum und viele schöne Erinnerungen aus Flensburg. Damit beweisen sie, dass sie mich alle lieben, auf mich warten und vermissen. Ich danke allen meinen lieben Freunden. Ich vermisse euch alle auch.
Der öffentliche Nahverkehr soll eigentlich pünktlich und regelmäßig sein, mit bestimmten Haltestellen und Fahrplänen. Aber in Armenien gibt es so was nicht. Das glaubte ich nicht, bis ich zum ersten Mal mit meiner Schwester Tina unterwegs war.
In Eriwan gibt es verschiedenen Verkehrsmittel, und zwar sehr viele, und sie fahren oft. Die sind Sammeltaxis, Busse, Metro, Taxis und natürlich Autos.
Meistens fährt man mit dem Sammeltaxi, weil das mehr Linien hat als Metro und Busse. Das Sammeltaxi ist ein Kleinbus, es kann ungefähr 13 Leute transportieren. Sammeltaxis haben keine bestimmte Fahrpläne und Haltestellen. Man kann jederzeit einsteigen und aussteigen. Zum Einsteigen braucht man nur mit der Hand zu zeigen, und es hält sofort. Beim Aussteigen muss man nur sagen, dass man hier aussteigen will. Ich glaube ihr könnt euch jetzt vorstellen, wenn vier oder fünf Leute jede Minute ein- und aussteigen, wie viele Minuten ich mich schon verspätet habe. Es gibt kein Fahrkarte. Man bezahlt Geld (100 Dram, ca. 20 Cent), wenn man aussteigt. Das war für mich sehr merkwürdig, als ich das alles gesehen habe. Ein Sammeltaxi kann eigentlich nicht schneller als 40 bis 45 Stundenkilometer fahren, weil die Straßen meistens nicht neu sind und in der Stadt sehr viel los ist. Sammeltaxis verkehren alle 8 bis 13 Minuten, und zwar zwischen 7.00 Uhr morgens bis 0.30 Uhr nachts. Noch was, der ganzen öffentliche Verkehr in Eriwan gehört nicht der Stadt. Jede Linie hat ihre eigene Personal, alle Linien sind verkauft an Privatfirmen. Wer viel Geld hat, konnte die Linien bei der Privatisierung kaufen. Aber trotzdem bezahlen alle auch viel Steuern. So ist das in Armenien.
Busse fahren sehr wenig in der Stadt. Sie haben nur einen Anteil von 0,8 % am Verkehr, aber alle haben bestimmte Haltestellen und Linien. Sie fahren alle 8 bis 12 Minuten, und der Betrieb wird ab ca. 23 Uhr eingestellt, genauso wie bei den Sammeltaxis. Der Bus ist noch billiger als ein Sammeltaxi (50 Dram, ca. 10 Cent), weil er noch langsamer ist. Er ist bequem für alte Leute.
Die U-Bahn Eriwan ist das Metrosystem. Sie wurde 1981 eröffnet und im Anschluss daran bis 1996 in südliche Richtung erweitert. Ihre Gesamtlänge beträgt 13,4 km mit 10 Haltestellen, noch 2 werden gebaut. Die Züge verkehren im 5-Minuten-Takt in der Hauptzeit, sonst alle 15 Minuten, mit einer Geschwindigkeit von etwa 35 km/h. Der Betrieb wird täglich um ca. 23 Uhr eingestellt. Die U-Bahn kostet auch 50 Dram. Dafür bekommt man ein kleine "Metro-Münze", womit man durch 2 Türen gehen darf.
Taxis gibt es sehr sehr viele in der Stadt. Es gibt mehr als 70 Taxi-Firmen in Eriwan. Und jeder Service hat ungefähr 70 Autos. Unglaublich, aber die sind alle sehr pünktlich und schnell. Jede Taxizentrale hat Autos verschiedener Marken (Audi, Mercedes, Opel, BMW, VW, viele russische Autos und auch kleine Busse). Der Preis fängt ab 70 Dram (ca. 15 Cent) an und reicht bis 150 Dram (ca. 25 Cent) pro Kilometer, aber der Durchschnitt ist 100 Dram. Jedes Taxi nimmt einen Mindestpreis, 500 Dram muss man immer bezahlen, auch wenn es nicht 5 Kilometer gefahren ist.
Die Autos sind die besten Verkehrsmittel in der ganzen Stadt. Man braucht nicht zu warten und verspätet sich nicht. Man sieht sehr viele verschiedene Marken. Jedes zweite Auto kommt aus der EU (besonderes aus Deutschland), USA und Dubai. Es gibt so teure Autos, wie ich sie nicht einmal in Deutschland gesehen habe. Und ich kann auch nicht glauben, wie man sich in einem armen Land leisten kann, solche tolle Autos zu fahren. Aber der Verkehr läuft ohne alle Regeln. Nicht alle Fahrer achten auf die Verkehrsampel. Besonders die reichen Menschen. Die kennen überhaupt keine Regeln. Auf allen Straßen hört man nur Hupen von den Autos und laute Musik. Das ist irgendwie modern bei den Jugendlichen.
Niemand benutzt Kindersitze. Die Kinder sitzen sogar vorne ohne Kindersitz, was ich sehr gefährlich finde. Und wenn die Polizei kontrolliert, braucht man nur paar tausend Dram zu bezahlen und fährt weiter. In so einer Situation bin ich auch geraten. Ein Mal, als ich mit meinem Vater und meinem Schwager auf dem Weg nach Hause war, kontrollierten uns zwei Polizisten. Einer bat um den Führerschein von meinen Vater. Als mein Vater seinen deutschen Führerschein zeigte, sagte der Polizist, dass man in Armenien mit dem europäischen Führerschein nicht fahren darf. Dafür muss man erst eine Erlaubnis haben. Dann hat mein Schwager tausend Dram bezahlt, und schon war der Führerschein erlaubt. Es war schon egal, dass der vor ein paar Minuten europäisch war. So kann man auch ohne Führerschein fahren. Deshalb gibt es in Armenien viel mehr Unfälle als in Deutschland. So könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie wenig sicher das menschliche Leben in diesem Land ist.
Als ich im August ankam, wollte ich eigentlich sofort studieren. Denn am 1. September fängt das Studium an. Ich war in meiner Schule, wollte meinen Abschluss haben, aber den konnte ich nicht bekommen. Ich sollte 300 Dollar bezahlen dafür. Ich konnte das nicht.
Deshalb muss ich jetzt bis März oder April warten, dann muss ich meine Examen machen. Ich muss regelmäßig da sein. Ich war bis zur 6. Klasse in Armavir, in der Schule Nummer eins. Dann ab der 7. Klasse bis zur 10. Klasse war ich im Gymnasium. Es gibt nur eines in Armavir, am Ende der 10. Klasse macht man das Abitur. Ich habe aber keinen Abschluss gekriegt, ich bin ja nach Deutschland geflohen. Ich bin jetzt wieder zu meinem Direktor gegangen. Als er mich sah, sagte er gleich: "Sona, bist du wieder da?
" Er erkannte mich sofort. Er sagte: "Ich kann dir leider jetzt nicht helfen, du musst bis zum März warten. Du kannst auch beim Schulamt fragen.
" Das habe ich gemacht, aber die wollten eben 300 Dollar haben. Ich bin dann wieder zurück zu meinem Direktor, und der sagte: "Wenn du da keine Chance hast, kann ich auch nichts machen. Du musst dein Examen, alle Prüfungen selber bestehen, dann kriegst du deinen Abschluss.
" Ich habe gefragt, ob ich auch zur Schule gehen muss, mit den Kindern, die sind ja alle jünger als ich, fünfzehn oder sechzehn Jahre alt. Er sagte "Nein, du musst keine Schule besuchen. Du musst dich vorbereiten für die Uni.
" Ich muss mich aber alle zwei Wochen melden, er wusste den genauen Weg, was ich machen kann. Er hat dann gefragt, ob ich verheiratet bin. Ich habe gesagt "Nein
", und er hat sich sehr gefreut. "Ja, dann willst du bestimmt lernen
", hat er gesagt. Er hat sich gefreut und er ist bereit, mir zu helfen. Ich weiß aber leider nicht, ob ich im März noch Geld bezahlen muss. Wenn er sagt, dass er den richtigen Weg für mich findet, bedeutet es in Armenien immer, dass ich etwas bezahlen muss oder er was anderes von mir will. Man kann darüber sehr offen reden.
Ich muss also warten. Aber Tina hat jetzt zwei Privatkurse für mich organisiert. Damit habe ich Anfang Oktober angefangen. Tina sagte, dass ich nicht mehr genug Armenisch kann, um zu studieren. Außerdem kann ich nicht genug deutsche Grammatik. Wenn ich studieren will, muss ich beides noch üben. Sie macht alles, sie bezahlt auch dafür. Ich mache dreimal in der Woche einen Kurs mit Armenisch, das ist Montag, Mittwoch und Freitag von 14 Uhr 30 bis 18 Uhr 30. Deutsch mache ich zweimal in der Woche, Dienstag und Donnerstag von 14 Uhr 30 bis 18 Uhr 30. Das ist bei der Deutsch-Lehrerin von Tina. Die ist ziemlich alt, eine Germanistik-Hochschullehrerin. Meine Armenisch-Lehrerin ist etwas jünger. Ich glaube, Tina bezahlt jeden Monat 60 Euro für beide. Meiner Deutsch-Lehrerin habe ich paar Briefe gezeigt, die ich von Reinhard und Günter gekriegt habe. Wir haben das Deutsch von heute verglichen mit dem vor 50 Jahren, was hat sich geändert. Meine Lehrerin war früher in Leipzig, sie erzählt viel über Deutschland, sehr viel. Das freut mich. Beim Deutsch-Unterricht sind wir zu zweit. Die andere ist 16 Jahre alt. Sie will in Deutschland studieren. Ihre Tante wohnt in Deutschland und organisiert alles für sie. Beim Armenisch-Kurs sind wir fünf Leute. Die anderen brauchen auch mehr Grammatik, alle sprechen sehr gut Armenisch. Wir sind alle Armenier. Die anderen sind alle 16 Jahre alt, alle wollen studieren.
Die beiden Kurse habe ich im Oktober angefangen, sie gehen bis Ende Juli.
Ich suche immer noch Arbeit. Ich kann vormittags suchen und abends, weil ich nachmittags lerne.
Ich habe mich beworben bei einer Werbeaktion für Zigaretten. Wir sollten Reklame machen. Ich konnte da nicht arbeiten, weil ich zu klein bin. Sie suchten leider sehr große Frauen. Sie waren sehr höflich, sie haben gesagt: "Ja, du bist sehr hübsch, du bist sehr gut, aber versteh bitte, wir brauchen große Frauen.
" Das war ein guter Job, zwei oder drei Stunden am Tag, dafür bekommt man zehn Euro. Das ist toll. Ich glaube, man sollte nur Werbung in einem Geschäft machen, dort stehen, wenn jemand Zigaretten kaufen will, sagen Marlboro ist besser, Sie müssen unbedingt Marlboro kaufen. Ich glaube, man muss nur irgendwie flirten.
Ich habe durch die Abschiebung viele Schulden, ich will irgend was arbeiten, eigentlich egal was. Ich habe mich als Kellnerin beworben, aber da musste ich jeden Tag 10 oder 12 Stunden arbeiten für 1500 Dram plus Trinkgeld. Das sind acht oder zehn Euro für 12 Stunden Arbeit. Das kann ich nicht machen.
Es gibt hier eine Firma aus Deutschland, die heißt Eurowagen. Die verkaufen deutsche Autos, BMW, Volkswagen, Mercedes. Die brauchen eine Frau, die gut Deutsch sprechen kann. Sie muss die Kataloge lesen können. Ich habe mich beworben, aber sie suchen eine, die studiert hat, nicht eine Schülerin. Ich habe gesagt, ich spreche deutsch, es ist doch egal, ob ich studiert habe. Es gibt hier viele, die studiert haben, aber nicht so gut deutsch sprechen wie ich. Aber diese deutsche Firma sagt nein, sie suchen jemanden, der studiert hat.
Es gibt jetzt eine Aktion hier von Gillette Mach 3, das ist ein Rasierapparat. Da bewerbe ich mich auch, die Kusine meines Schwagers hat gerade Bescheid gesagt. Das ist eine Aktion für zehn Tage, man kriegt 10 Euro pro Tag. Die haben jetzt meine Handy-Nummer, ich weiß aber noch nicht, wie ich das mit meinem Unterricht machen kann.
Worüber wundert sich ein Deutscher, der nach Armenien kommt, am meisten? Ich glaube, zuerst über den Verkehr. Und dann der Umgang mit der Sauberkeit, dem Müll.
Auf der Straße liegt so viel Schmutz, unglaublich. Überall liegt Müll. In Deutschland gibt es die Müllabfuhr. In Armenien ist das nicht regelmäßig. In Deutschland wird gefragt, soll die Tonne alle 7 Tage oder alle 14 Tage ausgeleert werden? Hier ist das nicht regelmäßig. Wenn sie Lust haben oder man bezahlt, dann machen sie das. Das kann eine bis drei Wochen dauern. Wenn man es auf die Straße schmeißt, machen sie die manchmal sauber, aber sonst nicht. Es gibt auch keine 10-Euro-Strafe, wenn jemand eine Zigarette wegschmeißt wie in Deutschland.
Und in Deutschland sind sogar Autobahnen sehr sauber, und es gibt Grasstreifen mit Blumen und so. Aber hier gibt es so was nicht. Es gibt hier kein Grün und keine Blumen an der Straße. Nur bei besonderen Firmen oder Restaurants, die wollen, dass es draußen schön aussieht, die machen so was. Aber sonst denkt niemand daran, das irgend was sauber wird oder schön aussieht. Es ist alles egal.
Mich hatten damals, als ich nach Deutschland kam, die Leute und die Freundlichkeit überrascht. Ich hatte es im August schon im Flugzeug bemerkt, als ich abgeschoben wurde, wie die Leute hier miteinander sprechen. Ohne "bitte" zu sagen oder "können Sie". Sie sprechen hier überall sehr, sehr unhöflich. Schon im Flughafen war ich sehr enttäuscht. Wenn ich mit jemandem sehr höflich rede, denkt der hier, dass ich nicht normal bin. Ich verstehe das nicht. Als ich in Deutschland war, als ich eingestiegen bin in den Bus, habe ich dem Fahrer immer "Moin" gesagt. Aber hier, wenn ich so was sage, die lachen alle. Als Kind habe ich das nicht bemerkt, weil ich Deutschland noch nicht gesehen habe. Jetzt merke ich das. Alle reden miteinander etwas unhöflich.
Geld ist hier wichtig. Wenn man hier nicht gut angezogen ist und im Geschäft was kaufen will, ist die Verkäuferin sehr unhöflich. Wenn man gut angezogen ist, sind sie sehr nett. Ich habe jetzt Sachen aus Deutschland, die sehen sehr gut aus. Das was ich aus Deutschland mitgebracht habe, sieht hier sehr gut aus, sehr sauber, sehr reich. Denn auch wenn du ein guter Mensch bist: Wenn du kein Geld hast, bist du kein Mensch.
Sona Shirvanyan
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